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Die Persönlichkeiten der ALBiREO stellen sich vor:

Krokoskop von der N.O.N.S.E.N.S.

Michael berichtete am 25.10.2002:

Der Himmel über der N.O.N.S.E.N.S. klarte heute irrtümlicherweise auf. Deshalb habe ich schnell die Leitrohrschellen an die SkyView-Monti geschraubt, um meinen neuen Zweizöller endlich mal so zu benutzen, wie es sich für ein astronomisches Fernrohr gehört - und um ihn zu taufen!

Bevor ich die Taufzeremonie eingehend würdige, muss ich noch ein paar Sätze zur Namensfindung loswerden. Vor gut einem Jahr hat mir über das astronomie.de-Selbstbauforum ein Physikstudent angeboten, im Rahmen eines Praktikums ein Rohr aus epoxidharzgetränktem Kohlefasergewebe zu wickeln. Das Rohr wollte er dann genauestens auf Biege- und Bruchfestigkeit untersuchen.

Das so entstandene Protokoll bekam sein Professor, das Rohr bekam ich und er bekam ein paar Mark dafür. So hatte ich schließlich eines Tages ein schwarzes Rohr mit der Oberfläche eines grobgewebten Stoffes, was schon mal gar nicht schlecht aussah. Nachdem die Aluteile gedreht und eingepasst waren, überlegte ich, wie ich die Oberfläche letztendlich gestalten sollte.

Zunächst musste aber alles erst mal entfettet werden. Und wie ich das Rohr so ins Seifenwasser tauche, da fängt es an zu glitzern und zeigte eine eigenartig dreidimensionale Gewebestruktur an der Oberfläche, was wohl mit den feinen Fasern zusammenhängt und den unter Wasser fehlenden Oberflächenrauhigkeiten. Grübel, grübel und studier - nach dem Bad habe ich den Tubus soweit abgeschliffen, dass noch etwas Struktur stehenblieb und habe ihn klar lackiert. Der Effekt ist spitzenmäßig, eine feingenoppte Oberfläche, glänzend, nach innen diese dreidimensionale Gewebestruktur, die je nach Lichteinfall ihre scheinbare Tiefe ändert.

Am vergangenen Dienstag hatte ich das Röhrchen zum Astrostammtisch mitgenommen. Und da sagt doch einer: guck mal, unsere Ärzte, jammern rum, dass sie kaum noch was verdienen und beziehen sich ihre Fernrohre mit 3D-Krokodilleder! Ja, dachte ich mir, ein bisschen sieht es tatsächlich wie Krokoleder aus, und da ging in mir die Taufkerze an: dieses Fernrohr muss KROKOSKOP heißen!

Und heute war es soweit: bei Anblick des uns namengebenden Sternes, mit einer Träne der Rührung im Auge, habe ich kurz überlegt, ob ich den Sekt wirklich über das Fernrohr kippen soll, und ihn schließlich doch selbst getrunken nach den bedeutungsschweren Worten: "Hiermit taufe ich dich auf den Namen Krokoskop!"

Was ich mit dem Kleinen heute am Himmel gesehen habe, war übrigens sehr beeindruckend. Davon will ich aber später berichten, wenn ich ein paar Fotos von Kroko habe.

So habe ich also heute eine meiner astronomischen Wurzeln wiedergefunden, denn dieses 2"-Objektiv (Zeiss E 50/540) war mein erstes richtiges Astroobjektiv, gekauft 1978 im Zeiss-Laden in Jena. Die Original-Okulare habe ich übrigens noch heute, das Original-Objektiv selbst ging vor vielen Jahren verloren. Aber es gibt ja rührige Astrohändler in Saarbrücken, die sowas gelegentlich im Angebot haben...

Krokoskop

(26.10.2002)

Hier das erste Foto vom Krokoskop. Es entstand nach seinem ersten Einsatz am vergangenen Donnerstag. Leider fällt durch den direkten Blitz die Krokoleder-Struktur nicht auf, dafür kann man schön die Gewebestruktur "unter der Haut" sehen. Kroko wird von 2 Leitrohrschellen gehalten, die wiederum an der GSO SkyView-Monti befestigt sind. Alles, was vor dem vorderen silbernen Ring ist, ist Taukappe. In die ragt die Objektivfassung etwa 2cm hinein.

Diese Gerätekombination hat sich als ideal erwiesen, auch bei "hohen" Vergrößerungen (108fach! mit 5mm-Okular) wackelt nichts. Das Fernrohr wiegt etwa 2,5kg.

Ich werde auf dem astronomie.de-Beobachtungsboard demnächst regelmäßig (das Wetter wird den Rhythmus bestimmen) über meine Beobachtungen mit dem Zweizöller berichten.

(Mehr über historische Mondbeobachtungen mit dem ursprünglichen Zweizöller hier auf amateurastronomie.at!)
 


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©Michael Kießling, N.O.N.S.E.N.S.
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