
Die Persönlichkeiten der ALBiREO stellen sich vor:
|
Der KLEIN70 ist ein Newtonteleskop mit Dobson-Montierung und
Gitterrohr-Tubus.
|
|
Die Optik mit 70mm Öffnung und 450mm Brennweite stammt aus einem
Kartonbausatz, welcher beim
Astromedia-Verlag für etwas über 20.- zu haben ist.
Wenn dieser Bausatz nach Plan aufgebaut wird, sieht er so aus.
Dem Bausatz liegen 2 Glasspiegel (aus dem Hause Baader) und 4
Acrylglas-Linsen für 3 Okulare bei. Die Okulare sind für 9×,
18× und 30× Vergrösserung ausgelegt, der Hauptspiegel
lässt sich im aufgebauten Teleskop nur schwierig justieren. Er klebt
in einer Kartonhalterung, welche im hinteren Tubusende steckt. Der
Zusammenbau der vielen Kartonbogen nimmt bei entsprechender Sorgfalt
gut 8-12 Stunden in Anspruch. Alles in allem eine interessante Sache,
mir persönlich wurde der Anschaffungspreis durch das Resultat mehr
als vergeltet!
Der gravierende Fehler, den ich beim Zusammenbau meines Teleskopes gemachte
habe, war, dass ich die Einzelteile mit einem uralten, halb ausgetrockneten
Leimstift zusammengeklebt habe.
Folge war, dass sich das ganze Teleskop in seine Einzelteile zerlegte (weil
der Leim sich zersetzte), als es an einem heissen Sommermittag ein paar
Stunden hinter der sonnen- bestrahlten Frontscheibe des parkierten Autos
verbrachte.
Neubau von Grund auf:
Also musste ich es neu zusammensetzen. Es hätte vielleicht eine Stunde
gedauert, all die bereits ausgeschnittenen & gefalzten Kartonteile zu
sortieren und erneut zusammenzuleimen - aber das erschien mir zu einfach,
und in meinem Teleskop sollten sowieso ein paar Dinge anders werden als im
Original:
- ich wollte richtige Okulare mit 1,25" Steckdurchmesser
verwenden können (was auch die Verwendung von Filtern ermöglicht),
- ich wollte justierbare Spiegelfassungen, um die Leistung der Spiegel
wirklich zu nutzen (ein 70mm-Hauptspiegel fängt eh nicht viel Licht; es
soll wenigstens in die richtige Richtung gelenkt werden),
- ich wollte ein reisetaugliches, also zerlegbares & stabiles Teleskop!
(Der Original-Kartontubus funktioniert tadellos, ist aber trotz einiger
stabilisierenden Innenblenden nicht gross belastbar (Rucksack), und nicht
zerlegbar.)
Ja, das wollte ich unbedingt, aber noch mehr:
- ein Gewichtslimit von max. 1kg wollte ich trotz dauerhafter
Baumaterialien einhalten, und
- ein Budget, entsprechend den Kosten des Original-Bausatzes (!) gab dem
Vorhaben noch richtig viel Würze!
Diese Wünsche waren nur mit einer radikalen Neukonstruktion zu erfüllen!
Folgende Probleme waren dabei absehbar:
- Mein 25mm Okular (Plössl 1,25") wiegt 116g, da muss der
Schwerpunkt des langbrennweitigen Tubus (f/6,4 und nur 2,75"
Öffnung) äusserst variabel und arretierbar sein.
- Knapp die Hälfte des Budgets musste ich von vorn weg für eine Dose Lack
und eine Packung hochwertigen 2-Komponentenkleber einkalkulieren; die andere
Hälfte musste für den ganzen Rest reichen(!): Etwas Birkensperrholz hatte
ich noch vom letzten Eigenbau über - Reststücke bis A3 kosten im Baumarkt
nicht viel - und die Alurohre kosten etwa 2,50/m. Sollte also machbar sein!
(war's dann auch!)
- Also musste ich es irgendwie schaffen, ohne Okularauszug fokussieren zu
können, denn ein gekaufter Okularauszug würde das Gewichtslimit und
das Budget sprengen! Darum habe ich den gesamten Tubus aus Alurohren
ausziehbar gemacht, das kommt einem überdimensionalen Schlitten-Okularauszug
gleich (und ist leicht & günstig, aber nicht besonders
feingängig;)
- Die beiden justierbaren Spiegelfassungen musste ich ebenfalls
kostengünstig und leicht selber anfertigen, ebenso die Spinne.
- Und immer das Gesamtgewicht in Augen halten! Soll der zerlegte Tubus in
der Rockerbox Platz finden, wird diese grösser, als man denkt!!
Also habe ich ein Stück Karton (Format A2) genommen und darauf in korrektem
Abstand zueinander die Umrisse der beiden Spiegel auf eine optische Achse
aufgezeichnet. Genau so (wie original) müssen die Spiegel im fertigen
Teleskop zueinander stehen, und der Lichstrahl muss in die Mitte des
Okularauszuges fallen. Alles andere kann ich frei konstruieren.
DAS ist dabei raus gekommen: Es wiegt 953g!
|
Der KLEIN70 zerlegt, in seiner Rockerbox verstaut.
|
|
|
Der Okularhalter ragt hinten zur Rockerbox raus, ebenso die Höhenräder. Die
Hauptspiegelzelle verkantet sich beim Zusammendrücken des Tubus in den
Höhen-Auflagen der Rockerbox, so hält alles zusammen.
P.S. Die Bierdose ist als Grössenvergleich gedacht, nicht als Werbung!
;)
|
|
Tubus & Rockerbox einzeln.
Die Höhenräder sind noch ganz vorne bei der Spinne, in Transportposition.
Der Balancepunkt der Höhenräder für das fokussierte 25mm Okular ist an
einer der Stangen markiert (nicht sichtbar auf dem Bild).
Das 15mm- und das 9mm Okular brauchen nicht neu ausbalanciert werden.
|
|
|
|
|
Die Filmdose (mit 2 Deckeln!) schützt den Umlenkspiegel und seine Halterung.
Die 2-Arm Spinne aus 1,6mm starkem Glasfaser-Epoxydharz ist ein Teil einer
nicht verbohrten Elektronik-Leiterplatte, sehr stabil!
Die Spinne ist mit 2-Komponentenkleber rechtwinklig auf die Frontblende
aufgeleimt, ebenso der Okularhalter. Die Okulare bedürfen keiner
Klemmschraube, sie halten gut, vom Horizont bis zum Zenit.
|
Filmdose ist zum Justierokular geworden! Dafür ist nämlich der zweite, fest
aufgeleimte Deckel mit seinem zentrischen 1mm-Loch.
Freie Sicht auf den Umlenkspiegel mit Halterung. Sie besteht aus 4 Stk.
zusammengelöteten M3-Muttern(!) und wurde ebenfalls mit 2-Komponentenkleber
direkt auf die Spinne geleimt.
|
|
Eine einseitig geschwärzte 3mm Moosgummiplatte schützt den Hauptspiegel beim
Transport vor Schmutz & Fingerabdrücken.
Die Moosgummiplatte hält sich an den Tubusstangen, die drei Messingmuttern
(zwei davon auf Bild sichtbar) sind zum Justieren des Hauptspiegels.
|
|
|
Moosgummiplatte abgenommen, sie hat noch einen anderen Zweck.
Der Hauptspiegel liegt auf 3Stk. Moosgummi-PADs auf, welche 6mm dick sind.
Sie lassen sich auf ca. 2mm zusammendrücken, das bedeutet 4mm Justierweg an
jeder Spiegelseite.
|
|
|
|
Die Moosgummiplatte kann in den beiden unteren Tubusstangen unter dem
Okularhalter angebracht werden & dient somit dem Beobachter als Blende!
In diesem Bild sieht man deutlich die Dimensionen des 1,25" Plössls
(f=25mm) im Vergleich zum Tubus.
|
So sehen die Sterne den KLEIN70! ;)
Das schwarze Loch oben rechts in der Frontblende ist das Austrittsloch vom
Visier!
Diese Tubusstange habe ich innen geschwärzt, was aber die Reflexionen nicht
gross vermindert.
Naja, ist ja nur zum grob Peilen; besser als garnix!
|
|
Sicht von hinten.
Die Einblicköffnung vom Visier.
Die 3 Leimtupfen sind die Klebungen, welche die Justierschrauben im Brett
verankern. Die 3 kleinen Löcher (die mit dem Visier ein Viereck bilden) sind
Luft-Ausgleichsöffnungen für die Tubusstangen. (Die braucht's wirklich! Beim
Öffnen und Zusammenschieben des Gerätes ändert sich das Luftvolumen in den
Stangen massiv!)
|
|
|
Fertig aufgebaut, Einsatzbereit!
Die paar Handgriffe für den Aufbau sind in etwa 30sek durchgeführt,
nachjustieren kann ich von Hand.
Der nur 5mm dicke Hauptspiegel bedarf auch keiner Belüftung, da seine
Oberfläche genügend Frischluft bekommt und nicht tief in einer Box garen
muss :)
|
Fazit:
Wenn man bedenkt, was der Original-Bausatz kostet (vom welchem ich ja nur
die beiden Spiegel benutze, welche einzeln bestellbar sind und weniger als
der komplette Bausatz kosten!), habe ich daraus ein richtig schnuckeliges,
stabiles Teleskop geschaffen, welches zusammen mit der Okularkiste 1,5kg
wiegt und etwa ¼ des Volumens meines kleinen Rucksackes einnimmt. Dazu
bietet es mehr optische Leistung als alle anderen Geräte dieser
Preisklasse!
Das war mir die Aktion wert!
(Korrigier' mich einer, wenn ich falsch liege, und zeige mir ein in allen
Punkten besseres Gerät! Ohne Okulare, für knapp 40,-!)
Jetzt, wo ich zwei Schwachpunke des ursprünglichen Gerätes eliminiert habe
(die Plastik-Okulare und die Justierbarkeit), kann ich mit dem KLEIN70 an
hellen Objekten (und am Tage) bis 50× vergrössern (9mm Okular), da
merke ich aber im relativ hellen Bild bereits eine Unschärfe, etwa 25%
vom Rand des Bildfeldes.
Mit 18× und 30× ist die Abbildung aber erstaunlich gut.
Tagsüber, auf der Erde, kann ich mit dem MiniDobs (vor dem Teleskop sitzend)
ein wackelfreies, aufrechtes, aber seitenverkehrtes Bild erzeugen, und in
klaren Nächten ist es ein Genuss, nach einem kurzen Spaziergang (aus dem
Dorf raus!) mit 18× durch die Milchstrasse zu surfen.
Mit diesem Gerät werde ich mich bei Gelegenheit auf die Messier-Jagd
begeben.
Der Tubus (inkl. Höhenrädern, Filmdose und Moosgummi-Blende) bringt gerade
mal 401g auf die Waage; die Rockerbox bringt nochmals 552g dazu.
953g bei 2,75" Öffnung, das entspricht 0,346kg/Zoll. Ein Wert, der sich
durchaus sehen lassen kann!
Ich bin mir ganz sicher, dass
- Sir Isaac Newton seine helle Freude an diesem Teleskop gehabt hätte!
- Ich an einem Himmel, wie zu Sir Isaac Newton's Zeiten, auch meine helle
Freude hätte!!
Verfasst am 03.08.2003.
Nachtrag:
Der KLEIN70 ist in dieser Ausstattung keinesfalls fertig! Als nächstes
werde ich noch eine 100%-Streulichtblende aus Moosgummi anfertigen,
die sich (wie der Tubus) auseinander ziehen lässt, um einfallendes Streulicht
komplett abzublocken.
Und den Fangspiegel werde ich vermutlich auch bald durch einen
hochwertigeren Umlenkspiegel ersetzen. (Nach-Nachtrag: erfolgreich
erledigt! Bringt einiges an Kontrast!!)
Und: falls sich jemand findet, der einen richtig guten 2,75" f6,4
Parabolspiegel anfertigen kann, der soll sich bitte melden. Viel zahlen kann
ich nicht für, aber der KLEIN70 würde dann einige Wochen zur Beobachtung
zugeschickt! Er passt in eine Schuhschachtel und ist dadurch sehr
portofreundlich...
©Silvio Hertli
Logo: Tom Rainy - mad-hatter@beta-cygni.org
Webhosting: Rohrspecht - webmaster@beta-cygni.org