Hört Ihr sie auch... diese Stimmen? Dieses Gebrummel und Gemurmel? Diese ungestikulierten Laute? Da schreit doch auch jemand...! Aus einem Raum schallt Stimmengewirr herüber. Alle brabbeln durcheinander, keiner hört zu! Aaah ja, jetzt verstehe ich... das sind die Leute von der Gruppentherapie.
Ein Hilferuf aus Zimmer Nummer 19! Oder kommt er aus Zimmer 76, was genau daneben liegt? Jemand ruft verzweifelt nach Beistand, weil er keinen O-III-Filter braucht, ihn aber haben möchte! Ein Insasse, der gerade eine neu erstandene EQ-6 im Schweiße seines Angesichts vorbeischleppt, ruft laut "Kauuuufen", und schon bald schallt es über alle Flure "Kauuuufeeen". Dieser armen Seele aus Zimmer Nummer 19 oder 76 konnte sofort geholfen werden.
Ich höre nicht nur Stimmen, ich sehe auch Gestalten! Eine, gehüllt in ein langes Gewand und Spitzenmütze, schwingt ein Buch und behauptet, dies sei das beste Goto-System des gesamten Universums, woraufhin einer der anderen Altinsassen schnell aufhört, an einem Hut zu basteln, um sich flott in die Lektüre des Karkoschka zu vertiefen....
Ein lautes Schluchzen...! Ja, will denn niemand helfen...?! Zwei Patientinnen liegen sich inmitten eines Bergs von Kleenex-Tüchern in den Armen und erzählen einander, wie schön die Sternlein gestern abend gewesen seien!
"Toooooor!" Das ist der Bursche aus Zimmer dreiunddreiszig, der leider auszer der astronomischen- auch noch von der Fuszballsucht befallen ist!
Eine Zimmertür steht halboffen... ich wag einen Blick hinein und sehe Furchtbares! Eine Gestalt, die abwechselnd von einer Couch auf einen Sessel springt! Sitzt der Herr in dem Sessel, ist die Stimme leise und beruhigend, liegt er auf der Couch, so findet ein furchteinflößender Wandel statt, denn nun ringt diese Person mit sich und der Astrosucht. Der Therapeut rät dem Suchtigen zum Kauf eines weiteren Teleskops. Ein Wunderheilmittel, denn die Gestalt läuft nun nicht mehr zurück zur Couch, sondern verlangt jubelnd nach einem Freischein für die Höhle des Wolfs.
Ein Blick in die Anstaltskuche... "Ich bin ein Albi, ich bin verrückt! Und das ist gut so", trällert fröhlich dieser Insasse, während er orangeblaue Plätzchen bäckt.
Von weitem hört man die Klänge einer Klarinette...
Die Hände auf dem Rücken verschränkt, den Kopf gesenkt, im weißen Kittel, tritt der Oberarzt Prof. Dr.Dr. Spechtrohr die Visite an. Ihm ist klar, dass er für Unruhe und Unlogik sorgen muss, wenn er denn seine Schäfchen vor jedem Anfall der Unvernunft retten will.
Draußen stürmt und regnet es! Die Gruppentherapie für frustrierte Nebula-Geschädigte ist deshalb sehr besucht. Man unterhält sich über den großen NRW-Nebel und den NAN, erhitzt sich ein bisschen über die Wettergötter, und einige weinen auch nur einfach still vor sich hin. Plötzlich jedoch springt ein Insasse auf und ruft begeistert, dass er einen Nebelscheinwerfer für Teleskope erfinden werde! Applaus von allen Seiten, und man darf gespannt auf Resultate warten. Allerdings ist dieser geniale Bastler auch noch damit beschäftigt, den Spiegel zu erfinden, mit dem es allen Insassen endlich gelingen wird, hinter den Saturn zu gucken.
Indianergeheul ....! Winnetou...??? Nein, der TALianerhäuptling zieht aus, um seine TALianer- und Aschberg-Stämme in diese Klinik zwangseinzuweisen, denn schon lange ist ihm klar, dass er sie nur hier vor den bösen Geisterstimmen der Vernunft bewahren kann!
"Apo gucken macht blind!" ...als diese arme Patientin die Wahrheit dieser Weisheit erkannte, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich um den Posten der Vorstandsvorsitzenden der Telekom zu bewerben. Sehr erfolgreich, wie man hört, denn sie brachte richtig Schwung in diesen Laden. Es ist zu vermuten, dass sie dabei ihr Hornissennest zum Einsatz brachte.
Eine Bar gibt es in dieser Anstalt auch! Die Theke ist von vielen - meist russischen - Rohren umlagert, und auf ihr tanzen Schwarzriesling und Walentina einen wilden Kassachok, wobei sie sich einander verliebt in die Fockelpinne gucken!
"Fuchs Du hast die Schnacker gestohlen, gib sie wieder her! Gib sie wieder her!" Eine bierernste Insassin trällert vergnügt diesen alten Schlager und schiebt sich die fünfte Portion Kaiserschmarren in den Mund. Wohl ein sehr hoffnungsloser Fall...
Ein anderer Patient soll Auskunft über das Reinigen von Spiegel geben! "Ich sag jetzt keinen MUCKs mehr, denn Astro ist Astro und ein guter Rotwein ist ein guter Rotwein!" Dieses interessante Thema wird sogleich von einem Mitinsassen aufgenommen, der allerdings behauptet, dass schottischer Whisky sich noch besser für den Augapfel des Beobachters eignet. Huch, darin scheinen sich hier einige auszukennen, denn bald wird die Runde groß und feuchtfröhlich!
Mooooment, ich höre schon wieder Stimmen.... nein, es sind schleifende Geräusche, die aus einigen wenigen Zimmern dringen. Denn während fast alle Patienten weltlichen Vergnügungen wie dem Whisky frönen, gibt es auch andere, die verbissen aus einem Spiegel eine Scherbe machen möchten. Oder umgekehrt? Das hängt wohl von der Richtung ab, in die man schleift! Erwiesen ist jedenfalls, dass diese Therapie in die totale Astrosucht führt und deshalb allen Insassen wärmstens empfohlen wird!
Frühmorgens! Ein wundervoller Sonnenschein, der von einer jungen Insassin freudig mit "Carpe Noctem" begrüßt wird, worüber sich hier niemand wundert...
Doch was ist das! Prof.Dr.Dr. Spechtrohr brach unter der Last seines Amtes zusammen und benötigt erste Hilfe! Der gestrenge Großinquisitor erweist sich als Mann der Tat und schließt den von allen vergötterten Anstaltschefarzt an eine Weißbiertransfusion an. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung durch Walentina hickups T. verhilft dem Herrn Professor sehr schnell wieder auf die Beine, die er in die Hand nimmt!
Es klingelt an der Anstaltstür! Ein Wolf im Schafspelz bittet um Einlass! Doch er wird nur mit Bananen abgespeist.... Aber der Herr, der das Zimmer 46 und aus triftigen Gründen auch das darüberliegende Zimmer Nummer 95 belegt, bringt mit seinen weisen Sätzen: "Wir sind für alles und jeden offen! Und wer für alles und jeden offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Yeeeeppiiiiii, ich bin total beknackt!" - wieder alle zur Unvernunft!
Man sieht auch eine Patientin durch das Zimmer schweben, und sie glaubt, die holde Fee von Nentershausen zu sein. Ihr zur Seite ein grünkühner Recke und seine Vasallen. Aber Dietrich, der Rote, wird nicht zögern, die Damen aus dem Hunsrück und Hispanien vor dieser Übermacht zu schützen und zu bewahren!
Die Müllabfuhr kommt! Jedes mal sehr frustierend, denn vor der Anstalt stapelt sich so gut wie nichts. Einer ihrer Insassen ist dafür bekannt, dass er das meiste verwerten und astronomisch einsetzen kann. So auch die von vielen verpönten Filmröllchen. Nur ihm haben viele kleine Teleskopkinder ihr Leibchen zu verdanken!
"Le Roi c'est moi!" Achja, der Arme glaubt, der Sonnenkönig zu sein! Wie weit wird er gehen, um an diesen Coronado dranzukommen...?! Er benötigt die Unterstützung aller, damit er nicht davor zurückschreckt, im Notfall auch seinen fahrbaren Untersatz zu verkaufen!
Oh, es ist Zeit für die Anti-Aggression-Therapie. Mehrere Insassen werden unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Spechtrohr in mittelalterliche Kostüme gesteckt und müssen altdeutsch gestikulieren, während sie zwei Spiegel ausmessen.
In Zimmer Nr. 54 sitzt ein Mann mit Brille auf der Nase und blauem Kittel, der an einem Bino bastelt. Verzückt hält er seine Primen in den Händen und ruft: "Ich bin hier der Mausheister! Nicht dieser Weißkittel von Wissass!"
Schnell, schnell, die Feuerwehr muss her. Mehrere Pyromanen haben gerade versucht, mit einem Newton die Sonne zu beobachten und rufen: "Kokeln ist geil, Kokeln ist fun."
Oh, was ist das??? Ein Taufbecken, vor dem sich Teleskope, Okulärchen und Ferngläser dicht drängeln. Alle im Sonntagsstaat in ihren orangeblauen Taufkleidchen! Richtig süüüß!
Da! Ein neuer Patient wird eingeliefert! Völlig verschreckt, denn alle Altinsassen machen eine riesige Welle und rufen "La Oooooooolaaaaaa" und "Tiraaaaamiiiiiisuuuuuuu"! Verzweifelt schaut sich der Neue nach dem Notarzt um, doch auch Prof. Dr.Dr. Spechtrohr macht begeistert die Wellenbewegung mit. Anstelle des altüblichen Arztkoffers hat der Chefarzt dieser Klinik übrigens längst auf einen Okualarkoffer umgestellt!
Hier in dieser Anstalt ist niemand mehr zu retten, wie kurz darauf alle erfreut an einem gemeinsamen Spechtelabend auf dem klinikeigenen Gelände feststellen....
Aus den Stimmen wird wieder unverständliches Gebrabbel... die Vision geht zu Ende... für heute...! ;*) Doch die Anstalt ist groß und verzweigt, viele Insassen blieben noch unerwähnt. Aber vielleicht hört ja auch Ihr diese Stimmen, die in ihr vor sich herbrabbeln.........
;*) Birgit und Sabine ;*)