
Es war einmal ein hoher Berg irgendwo in der Wüste. Wissenschaftler stellten seit Jahrzehnten ihre Teleskope dort auf, um die Geheimnisse des Alls zu ergründen. Doch tagsüber, wenn die Forscher schliefen und meinten, ihre Instrumente täten das gleiche, verständigten sich diese in ihrer eigenen Sprache.
Es gab dort einen Pulk kleiner Teleskope in kleinen Kuppeln. Dann ein paar große Teleskope in großen Kuppeln. Der Chef war ein Teleskop mit stattlichen dreimetersechzig Spiegeldurchmesser in einer Kuppel, deren Weiß weithin erstrahlte. Auch ein Radioteleskop war dort. Zuerst geringgeschätzt wegen "Was issn das, keine Kuppel?", machte es sich bald einen Namen, da es mit seiner Antenne die Menschen hören konnte.
Nun, eines Tages meldete sich dieses Teleskop zu Wort. "Ich hör was!"
"Was denn?" und die kleinen Teleskope in ihren Kuppeln kicherten dazu: "Hihi was der olle schon wieder hören mag".
"Psssst"
Es rumpelte. Ein gelber Bulldozer kam um die Ecke. Und ein Bagger. Die Menschen fingen an zu buddeln. Und ein kreisrundes Fundament auszuheben.
Natürlich wussten die älteren Teleskope ganz genau, was auf sie zukommt "Yeah, wir kriegen nen Neuen!"
Und so war es. Doch bald zeigte sich, dass die Kuppel so gar nicht rund werden wollte. Vielmehr ein eckiger silberner Kasten. "Hihi, das wird doch nur so ein olles Radioteleskop" kicherten die kleinen Teleskope. Das Radioteleskop dazu "Was soll das denn heißen??? - andere Teleskope haben auch keine weißen Kuppeln, hihi."
Das 2.2m-Teleskop pikiert: "Dan-ke!".
Nun, der eckige Bau wurde weitergebaut, der Spiegel installiert. "Na so ein Aufschneider, so'n kleiner Bau und so ein großer Spiegel, das kann ja nichts werden. Ist ja fast so groß wie meiner!", ereiferte sich der Chef.
Die Teleskope kamen überein, dieses ihrer Ansicht nach überaus hässliche Teleskop überhaupt nicht in die Gemeinschaft aufzunehmen. Mit Gurken wollten sie nichts zu tun haben. Zumal das Radioteleskop von den Menschen hörte, dass das neue Ding viel billiger sein soll als der Chef.
"Hihi, ein Billigrohr, das kann's doch nicht sein..."
Mit dem Fortschritt der Arbeiten musste das arme Neue sich diese Lästereien komplett anhören - ohne antworten zu können. Die permanenten Angriffe machten es sehr traurig. Als die Optik installiert war und die anderen über den dünnen Spiegel lästerten, wurden die Depressionen so groß, dass das Teleskop versuchte, seinen eigenen Spiegel zu zerbrechen. Die Menschen wunderten sich am nächsten Tag über die seltsame Stellung der Aktuatoren.
Nun, irgendwann war 1st light angesagt. Das Neue war völlig verängstigt, aber die Menschen hatten vorgesorgt und es gekühlt. Nachdem es nun völlig cool war, öffnete sich der Spalt, und Sternlicht fiel ein. Aus dem Kontrollraum hörte das Radioteleskop "Ups, Astigmatismus." Die kleinen Teleskope kicherten. "Spärische Aberration!" und nun prusteten die großen los.
Dann wurde im Kontrollzentrum beschlossen, die Aktuatoren zu aktivieren. Rechner wurden hochgefahren, ein leises Surren drang aus dem Bereich hinter dem Spiegel.
Und im Kontrollzentrum hieß es nur: "Wow, was ein Strehl!!! Und dieses Seeing - das ist deutlich weniger als eine Bogensekunde!"
Die anderen Teleskope schwiegen betreten. Und sie beschlossen, den Neuen unter sich aufzunehmen.
Was lernen wir daraus?
Besinnliche Grüße,
A
Jürgen von der ASN
S